Herzattacke: Unser Leben ist akut bedroht

27.05.2018 von Karl-Heinz Stolz

Quelle: Stolberger Nachrichten vom 27.05.2017; http://epaper.zeitungsverlag-aachen.de/

 

Der akute Verschluss eines Herzkranzgefäßes ist für das Herz eine Katastrophe: Wird der Blutfluss nicht rasch wiederhergestellt, sterben Herzmuskelzellen ab. Nach nur zwei bis vier Stunden ist es für sie zu spät, das Herz ist bedroht, es besteht Lebensgefahr. „Wir sagen ,Time is Muscle’, also ,Zeit bedeutet Muskelgewebe‘”, betont Professor Dr. Nikolaus Marx. Auslöser für den Herzinfarkt (Myokardinfarkt) kann ein Blutgerinnsel sein. Erkrankungen der Herzkranzgefäße gehören zur Vorgeschichte einer solchen Attacke.

Das Forum Medizin unserer Zeitung in Zusammenarbeit mit der Uniklinik Aachen beschäftigt sich am Dienstag, 6. Juni, mit dem Thema „Herzinfarkt und Erkrankungen der Herzkranzgefäße“. Bereits ab 15 Uhr kann man im „Seminarraum“ (Programm siehe unten) erfahren, was im Notfall zu tun ist, wie man sich besser entspannt, vollwertig ernährt und welche Warnsignale der Körper vor einem Infarkt liefert.

Um 18 Uhr beginnt in Hörsaal 4 die Veranstaltung mit sieben Referenten, die über den neuesten Stand von Forschung, Diagnostik und Therapie sprechen.

Rund 1,5 Millionen Menschen sind in Deutschland von Erkrankungen der Herzkranzgefäße betroffen, bei 300 000 kommt es zum Herzinfarkt. Häufigste Ursache: Kalkablagerungen verengen die Blutgefäße und vermindern oder unterbinden auf diese Weise die Versorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff und Nährstoffen.

„Besteht nur der geringste Verdacht auf einen Herzinfarkt, sollte man das bereits klar sagen, wenn der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 alarmiert wird”, betont Dr. Stephan Beckers, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Stadt Aachen. „Schon im Rettungswagen kann man am EKG sehen, ob es sich um einen Infarkt handelt.“

Druck auf die Brustmitte

Vor Eintreffen der Rettungskräfte kann die Herzdruckmassage Leben erhalten: Ist der Betroffene besinnungslos und atmet nicht mehr, sollte ein Helfer 100 bis 120 Mal pro Minute rhythmisch auf die Brustmitte drücken, bis der Rettungsdienst kommt.

Gelingt es nicht, den Verschluss durch ein Medikament aufzulösen (Lysetherapie), müssen die Experten eine rasche Entscheidung treffen – Stent, also die Weitung des betroffenen Gefäßes durch ein Metallgitterröhrchen, oder Bypass-Operation, ein chirurgischer Eingriff, bei dem durch körpereigenes Venen- oder Arterienmaterial Engstellen umgangen und der Blutfluss wieder gesichert wird.

Stent oder Bypass?

„Entscheidungen treffen wir in unserem Herzteam”, sagt Professor Dr. Rüdiger Autschbach, der zusammen mit seinem Kollegen Marx seit Jahren in enger Kooperation Wege der Therapie entwickelt. „Die Haltbarkeit und die Qualität der Stents haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert“, versichert Autschbach. Risikofaktoren wie erhöhter Blutdruck und besonders der Nikotinkonsum spielen weiterhin eine bedrohliche Rolle für die Herzgesundheit. „Der Anteil der Frauen unter den Patienten hat in letzter Zeit deutlich zugenommen”, sagt Autschbach. „Das ist für Operateure ein Problem, Frauen haben kleinere Gefäße, das verlangt besonderes handwerkliches Geschick!” Symptome dürfen nicht ignoriert werden: „Bei einem Infarkt empfindet der Patient Todesangst, einen Vernichtungsschmerz“, sagt Marx.

Wer Herzprobleme hat, geht zum Facharzt – spätestens nach dem Herzinfarkt. „In den letzten Jahren wurden neue und gute Medikamente zur Blutverdünnung und zur Herzunterstützung entwickelt“, berichtet Dr. Martin Klutmann. Der Aachener Kardiologe weiß: „Wir müssen weiterhin die Begleiterkrankungen und Risikofaktoren im Blick haben. Nach einem Jahr werden viele Medikamente von 60 Prozent der Patienten eigenmächtig abgesetzt, sie erkennen das Risiko nicht.“ „Der Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik ist eine Anschlussheilbehandlung”, betont Professor Dr. Georg Sabin. „Aber nur ein Drittel der Patienten nutzt diese Chance auch wirklich, das ist riskant.“ In einer Reha können Patienten unter anderem erfahren, welche Sportarten für ihre Herzgesundheit gut sind. Denn „körperliches Training hat einen vorteilhaften Einfluss auf Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht. Damit hilft Herzsport bei den meisten Herzkreislauferkrankungen“, erklärt Privatdozent Dr. Dr. Mathias Burgmaier. Für Patienten mit einer Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt bieten sich ärztlich überwachte Herzsportgruppen an. Der Patient sollte allerdings vorher durch einen Kardiologen sorgfältig untersucht werden. Ein Belastungs-EKG kann anzeigen, welches Trainingsniveau für ihn geeignet ist. „Ein Arzt muss bei jeder Herzsportgruppe anwesend sein, um das Trainingsniveau zu steuern und damit im Ernstfall kompetente Hilfe da ist.“ Ziel ist eine Stabilisierung von Körper und Psyche, Angst vor körperlicher Belastung wird abgebaut, man hat wieder Vertrauen in den eigenen Körper. 90 Trainingseinheiten, verteilt auf zwei Jahre, können von einem gesetzlich versicherten Patienten nach einem Herzinfarkt beantragt werden.

„Ein Arzt muss bei jeder Herzsportgruppe anwesend sein, damit im Ernstfall kompetente Hilfe da ist.“

Privatdozent Dr. Dr. Mathias Burgmaier, Uniklinik 

 

Hinweis: Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt nach einer Herzsportgruppe in Ihrer Nähe oder informieren Sie sich bei der Stolberger Turngemeinde. Schauen Sie sich unserer zertifizierten Übungsangebote für den Herzsport an. Eine kurze Übersicht des Angebotes ist hier möglich!

Zurück

Einen Kommentar schreiben